Projekt

Von den frühen 1960er-Jahren bis in die 1990er-Jahre fotografierte der Brienzer Briefträger Peter Ernst immer wieder Menschen, denen er in seinem Dorf und auf seinen Zustelltouren begegnete. Die Bilder zeigen Gesichter, in denen das Leben deutliche Spuren hinterlassen hat. Sie dokumentieren gleichzeitig einen Dorfalltag und Lebensumstände, die aus heutiger Sicht oft kaum mehr vorstellbar sind.

Etliche der Aufnahmen weisen eine hohe ästhetische Qualität auf. Bildkomposition und Ausführung verraten, dass hier ein Könner mit viel Gespür für den richtigen Moment und den passenden Ausschnitt am Werk war. Viele der Porträtierten zeigen einen erstaunlich freimütigen, ungekünstelten Gesichtsausdruck. Er ist Ausdruck des Vertrauensverhältnisses, das zwischen dem Fotografen und den Fotografierten bestand: Als Briefträger, der am Menschen und seinem Schicksal interessiert ist, fand Peter Ernst bei einer Vielzahl von Dorfeinwohnern Zugang. Auch Menschen, die ein sehr bescheidenes Leben führten und am gesellschaftlichen Leben kaum teilnahmen, begegneten ihm mit vertrauensvoller Offenheit.

Die Fotos von Peter Ernst sind wertvolle Kulturgüter und bedeutende Zeitzeugnisse. Sie liegen bis anhin jedoch nicht in systematisch aufgearbeiteter Form vor und sind auch nicht in nachvollziehbarer Weise abgelegt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Bilder zum grössten Teil nur in Form von Dias und Papierabzügen vorliegen. Letztlich geht es auch nicht allein um Bilder – mit vielen Aufnahmen sind Wissen, Fakten und Anekdoten einer ganzen Generation verbunden; diese Informationen drohen über kurz oder lang verloren zu gehen. Mit dem Projekt «Brienzer Fototruckli» wird versucht, zumindest einen Teil dieses Fundus zu erhalten und für künftige Generationen zu sichern. Im Rahmen des Projekts wurde 2017 eine Auswahl von 200 Aufnahmen durch eine spezialisierte Firma digitalisiert. Darauf wurden für einen ersten Teil der porträtierten Personen die biografischen Angaben mittels Gesprächen und Recherchen aufgearbeitet und schriftlich fixiert.